Hinweise und Ideen für Vorführungen von “Chronically Radical”

Wir haben jetzt 6 Jahre an diesem Film gearbeitet und dabei sehr viel von den Menschen darin gelernt. Wir hoffen durch diesen Film dieses Wissen weitergeben und Veränderungen anstossen zu können! Danke euch dass ihr uns dabei unterstützt!

Ein paar Sachen die uns am Herzen liegen:

Anregung zum Barriereabbau bei der Vorführung

Uns ist wichtig dass der Film für möglichst viele Menschen zugänglich ist, darum haben wir eine Audiodeskription in deutsch, sowie fortlaufende Untertitel in deutsch und englisch erstellt. Wir hoffen dass wir auch noch eine Übersetzung in DGS hinbekommen.

Wir möchten auch dass er an den Orten und in den Gruppen wo er gezeigt wird Veränderungen bewirkt, darum bitten wir euch vor dem Zeigen gedanken zu machen wie ihr die Vorstellung zb für taube, blinde, neurodivergente, chronisch kranke, gehbehinderte menschen zugänglich machen könnt. Z.B.:

  • für chronisch kranke ein paar Liegemöglichkeiten schaffen, Masken tragen, Pausen machen, hybride oder online Veranstaltungen
  • für taube Menschen DGS Dolmetschung für die Diskussion organisieren zb über die Stadt oder Aktion Mensch (braucht etwas Vorlauf)
  • Rollizugänglich? Rollitoilette auch oder gibt es in der Nähe eine? Wie einfach mit ÖPNV zu erreichen?
  • Für neurodivergente Ruheräume einrichten, fidget toys besorgen
  • für blinde Menschen: Assistenz anbieten, Wegbegleitung etc

Versucht die Veranstaltung für so viele behinderte Menschen wie möglich zugänglich zu machen, am besten mindestens für 2 Gruppen. Es ist nicht immer möglich alles für alle zugänglich zu machen, Zugangsbedürfnisse widersprechen sich auch, aber das ist ein guter Anfang.

Es ist sehr wichtig auf die Einladungen, eure Webseiten etc transparent aufzuschreiben wie zugänglich euer Ort und Veranstaltung für Menschen mit verschiedenen Behinderungen ist. Verteilt die Einladungen gerne auch an Orten wo behinderte Menschen erreicht werden können. Sie werden so oft ausgeschlossen, es ist Zeit dass sich das ändert!

Bitte unterstützt uns

Lian ist sehr schwer krank und wir müssen im Moment alle Medikamente und auch Assistenz selber organisieren und finanzieren. Das geht nicht ohne Unterstützung. Wir möchten dass alle den Film sehen können egal ob sie es sich leisten könnten oder nicht, deshalb gibt es keinen festen Eintrittspreis, aber wir bitten alle die es können uns zu unterstützen. Wenn ihr ein Projekt, Ort NGO etc seid die normalerweise ihre Referent*innen und Mitarbeitenden bezahlen dann überlegt mal ob ihr uns vielleicht etwas mehr geben könnt. Leben mit chronischer Krankheit ist sehr teuer. Wir würden uns jedenfalls sehr freuen und nur mit Unterstützung können wir auch den zweiten Teil fertig machen und den ersten noch zugänglicher machen. Sagt uns auch gerne Bescheid wenn ihr für uns einen Antrag bei der Stadt oder einer Stiftung etc stellen könnt.

Nach dem Film

Wir haben auch überlegt wie ihr eine Diskussion oder einen Austausch nach dem Film moderieren könnt. Ihr könntet zb fragen was den Menschen im Raum für Barrieren begegnen und was sie sich wünschen würden. Wie betrifft und begegnet euch Ableismus?

Dann könntet ihr überlegen wie eure Gruppe/Bewegung zugänglicher sein könnte und nächste Schritte dahin überlegen.

Wir freuen uns sehr wenn ihr Vorstellungen organisiert und hoffen dass wir gemeinsam viel verändern können 🙂

“Chronically Radical: Behindert, Verrückt, Taub im Widerstand” fast fertig!

Wir freuen uns darauf, Ende Mai 2026 unseren Film über Behinderung und politisch sein veröffentlichen zu können! Es gibt viel zu erfahren über behinderten Widerstand und wie Orte, Gruppen und Bewegungen zugänglicher sein können.

Wir haben ihn für Graswurzelbewegungen gemacht und freuen uns wenn ihr ihn in euren Gruppen etc zeigt.

Schreibt uns an wenn ihr das möchtet!

Vor dem Eingang zum Frankfurt West Bahnhof hängen vier Menschen auf Kletterseile, zwei davon im Rollstuhl, mit einem großen Banner "Mobilitätswende für Alle!". Vier Polizist*innen stehen etwas ratlos davor.

Worum gehts?

Eine Reise zu verschiedenen Orten des Behinderungswiderstands und -aktivismus. Wie kämpfen wir als behinderte Menschen für ein gutes Leben für alle?

Der Film begleitet chronisch Kranke, Taube, neurodivergente, behinderte… Menschen, die sich politisch engagieren, und lädt ein, uns dem Kampf anzuschließen. Ihr Widerstand richtet sich gegen Ausschluss im öffentlichen Leben und in politischen Bewegungen. Sie kämpfen mit altbekannten und neu geschaffenen Mitteln, mit Parteipolitik, Online-Organisierung, Demos oder direkten Aktionen.

Wir sind dabei: In Räumen für Lernen und Vernetzung genauso wie in Lützerath, auf der Straße und bei Kletteraktionen. Wir lernen Ideen und Möglichkeiten kennen, um gemeinsam zugängliche Orte und Bewegungen zu bauen, und Ableismus die Stirn zu bieten.

Ein großes Brett auf einem Gitterzaun angebracht, mit politischen Aufkleber versehen und einem Edding-Aufschrift: "It's not about self-care, it's about collective care." - Leah Lakshmi Piepzna-Samarasinha

Zugänglichkeit und Sprachen

Der Film ist mehrsprachig, hauptsächlich auf Deutsch, mit durchgehenden Untertiteln (bisher auf Deutsch und Englisch). Es gibt eine deutsche Audiobeschreibung. Eine englische Audiobeschreibung ist auch geplant sowie Dolmetschung in deutsche und vielleicht auch internationale Gebärdensprache.

Über uns

Lian und Delila machen seit vielen Jahren Filme über politische Bewegungen deren Teil sie sind. Beim letzten Film, “Radical Resilience” (2020), ging es um regenerativen Aktivismus. Durch Lians chronische Krankheit haben sie, wie viele andere, erfahren wie schwer zugänglich viele Bewegungen sind und wie sich Ableismus anfühlt. Diese Erfahrungen haben sie dazu veranlasst, “Chronically Radical” zu machen.

Schreibt uns gerne an wenn ihr eine Vorstellung organisieren wollt! ( radicalresilience@riseup.net )

Ein Paar weitere Hinweise und Ideen für Vorführungen: https://chronicallyradical.noblogs.org/de/post/2026/05/17/hinweise-und-ideen-fuer-vorfuehrungen-von-chronically-radical/

Sana, Eelam Tamil Aktivisti mit schwarzen Haaren, Ordnerweste und Schild: "Behinderte Geflüchtete, leave no-one behind"
Person mit langen braunen Haaren und weißem Rock hält Schild "Fix the system not me!"
Tabitha, bunt gekleidete Schwarze Künstler*in mit Regenbogentasche und weissem vorne geknotetem Kopftuch hält einen Schild "Ableism looks like calling people 'inspiring' for navigating a system that is designed for exclusion, while doing nothing to hold the system accountable".
SchwarzRund und simo tier sitzen im Atelier am Tisch und reden. Dahinter Poster und Zines auf die Wand, darunter: "Hilfsmittel für Alle", "Du bist trans genug", "Krüppel-Zeitung"
Eine Person im E-Rollstuhl auf einer Straße umringt von vielen Polizist*innen in Riot-Ausrüstung.
Ein Mensch in einer Demonstration hält die linke Faust hoch in den Himmel. Dahinter ein Lautsprecherwagen und viele Menschen mit Banner und Schilder, "Justice for Mouhamed" ist lesbar.
Auf einem Sofa sitzt Loki, ein schwarz-weißer Hund mit orangenen Augenbrauen. Der Sofa steht auf einem matschigen Feld mit einer großen Holzkonstruktion und einem Baumhaus im Hintergrund.

Crip Time

Folgenden Text hat Lian für die Broschüre „VerRücktes Klima – BeHinderte Lösungen“ geschrieben. Die Broschüre wurde von der BUNDjugend herausgegeben und kann gegen Versandkosten als Druckausgabe bestellt, als PDF heruntergeladen, oder als Audioversion angehört werden:

https://www.bundjugend.de/produkt/sammelband-verruecktes-klima-behinderte-loesungen/

https://fyyd.de/podcast/verruecktes-klima-behinderte-loesungen/0

Ich versuche oft das Thema Zugang und Ableismus in (Klima)Kämpfe einzubringen. Immer wieder wird mir dann gesagt „Oh, sorry, wir machen schon so viel und sind alle so ausgebrannt, das schaffen wir jetzt nicht auch noch!“ Das ist nicht nur nicht wirklich ehrlich, weil es ja eine Prioritätenfrage ist, worein mensch seine Energie steckt. Also wäre es dann ehrlicher zu sagen „Hey, sorry, Barrierefreiheit ist uns gerade nicht so wichtig.” Das wollen viele nicht sagen, weil es ja das
coole linke offene Selbstbild zu erhalten gilt. Und gegen Behinderte haben sie ja nichts, das muss doch reichen! Bloß, reicht es halt nicht, nichts gegen Behinderte zu haben, wenn mensch verinnerlichten Ableismus nicht bearbeitet und nichts an den behindernden Strukturen ändert um Zugang zu schaffen. Es ist also unehrlich und zudem denke ich mir dann immer: „Tja, wenn ihr mehr behinderte Menschen in euren Gruppen hättet, dann würdet ihr vielleicht nicht so sehr ausbrennen.”

Behinderte haben das Konzept der Crip Time erfunden. Die Idee dabei ist, dass nicht wir uns an die Gegebenheiten und die vorgegebenen Zeitfenster anpassen müssen, sondern dass sich die Gegebenheiten uns und unseren Bedürfnissen anpassen müssen. Etwas, das gut zum nachhaltigen Aktivismus passt, wo Menschen ebenfalls nahegelegt wird, nicht über ihre Grenzen zu gehen. Oft reproduzieren wir in unseren antikapitalistischen Kämpfen Muster, die genau der Leistungsgesellschaft entspringen, die wir eigentlich ablehnen. Zum Beispiel schätzen wir Menschen mehr wert die (viel) leisten können, und auch was überhaupt als Leistung angesehen wird ist von kapitalistischen Mustern geprägt: Care Aufgaben werden oft weniger gefeiert als Aktionen zu machen.

Und ja, Behinderte haben von sich aus Körper, die sich der kapitalistischen Verwertungslogik entziehen. Mein Körper ist also der Inbegriff der Kapitalismuskritik. Dafür, und für vieles andere solltet ihr uns Behinderte feiern und bitte aufhören uns immer nur als noch ein schwieriges und anstrengendes Thema zu sehen!

By the way, ist es auch gar nicht so schwer Gruppen zugänglicher zu machen. Es ist wie gesagt eine Frage des Willens und der Priorisierung. Ich habe mich mittlerweile vom Klimaaktivismus weitestgehend verabschiedet, obwohl die Klimakrise mich als Behinderte besonders hart trifft: Schon jetzt macht mir die Hitze viel mehr zu schaffen als in Zeiten, in denen ich noch gesünder war, und dass Behinderte in akuten Katastrophen eher getroffen werden, sollte spätestens nach der Flutkatastrophe im Ahrtal und Sinzig allen hier klar sein. Und wenn schon in einem der technisch reichsten Länder Behinderte bei Katastrophen (und auch sonst) kaum bedacht werden sieht die Situation für die 80% der behinderten Menschen weltweit, die im globalen Süden leben, noch düsterer aus. Denn dort sind die Auswirkungen der
Klimakrise bekanntlich noch wesentlich schlimmer.

Ich organisiere mich jetzt unter anderem mit einer Gruppe, die zum Thema Behinderung arbeitet und mehrheitlich aus Menschen mit sehr unterschiedlichen Behinderungen besteht. Und wir kriegen das hin. Wir machen auch Fehler, aber wir kriegen das hin. Und zwar gut.

Und wieso?

Weil wir fast alle unschöne Erfahrungen damit gemacht haben, ausgeschlossen worden zu sein, und es uns deshalb wichtig ist, dass alle mitmachen können.

Weil wir offen dafür sind, von den Bedürfnissen der anderen zu hören und darauf einzugehen.

Wir kriegen das hin, obwohl wir mehrheitlich eingeschränkt sind. Junge, überwiegend doch recht privilegierte Klimabewegung, ihr kriegt das auch hin, wenn ihr wollt.

PS: Ein guter Anfang ist es, die behinderten Menschen, die noch oder schon in euren Gruppen sind, zu fragen, wie es ihnen so geht und wie der Zugang für sie besser werden könnte. Denn, wie SchwarzRund sagt: In jeder Gruppe sind Behinderte, ihr seht sie nur nicht, weil viele Behinderungen unsichtbar bzw nicht offensichtlich sichtbar sind und Menschen aus verschiedenen Gründen nicht darüber reden. Also fangt damit an Räume zu öffnen, über Bedürfnisse zu reden.

Rezension und Kommentar zu „Black Disability Politics“ von Sami Schalk

Ich habe gerade „Black Disability Politics“ von Sami Schalk gelesen. Ich glaube dieses Buch ist unglaublich wichtig für aktivistische Gruppen und Bewegungen, und ich ermutige jede*n es zu lesen1! Bisher ist es nur auf Englisch erschienen, und deswegen wollte ich einige wichtige Punkte mit euch teilen. Sami Schalk befasst sich mit der Frage, wie das Thema Behinderung in Schwarzem Organisieren behandelt wurde, in der Vergangenheit wie auch heute. Um diese Rezension in Perspektive zu setzen: ich schreibe als eine weiße, queere nichtbinäre, neurodivergente und körperlich nicht-behinderte Person, geboren und wohnhaft im West-Europa.

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Book Review: „Black Disability Politics“ by Sami Schalk

I just finished reading „Black Disability Politics“ by Sami Schalk and wanted to share some things I’ve learned. This is a very important book for activist groups and movements and I would encourage everyone to get a copy (it is also available for free)1! Sami Schalk examines how the subject of disability was dealt with in past and present Black activist organising. To put this review into perspective, I am writing this as a white, queer nonbinary, neurodivergent and physically non-disabled person born and living in western Europe.

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A film about resistance and empowerment